Zehn Jahre Osteroder Tafel – ein Grund zum Feiern

Zehn Jahre ist es her, dass in Osterode der Gedanke, eine Tafel für bedürftige Menschen zu gründen, Gestalt annahm. War die Arbeit der Tafel am Anfang auf die Stadt, dann auf das Kreisgebiet beschränkt, kamen mit der Zeit Gieboldehausen und Duderstadt als Außenstellen dazu. Vieles ist seit dem über die Tafel berichtet worden, Positives und auch Negatives, aber eines ist geblieben: die Osteroder Tafel arbeitet wohl organisiert ehrenamtlich für viele Menschen. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums gibt der Vorstand der Tafel eine Festschrift für seine Mitglieder heraus. Aus dieser Schrift drucken wir die Grußworte und die Chronik ab, so dass sich jeder ein Bild über das Ansehen in der Gesellschaft und den Werdegang der Tafel machen kann.

Dr. Hartmut Herrman, Vorsitzender der Osteroder Tafel:

Zehn Jahre Osteroder Tafel – wir haben allen Grund zur Freude über das, was geworden ist, und allen Grund zum Dank an alle Personen und Einrichtungen, die die Tafelarbeit ermöglicht und mit getragen haben.

 

Ein Zurückschauen ist angesagt.

 

Am Anfang stand die Tafelidee. Es gibt in unserem Land einen großen Überhang an Lebensmitteln, aber nicht alle Menschen haben ihr ausreichendes tägliches Brot. Hier für einen Ausgleich zu sorgen und den Menschen zu helfen, war das Anliegen. Die Idee war so überzeugend, dass die Gewissheit groß war, mit einem Kreis von Freundinnen und Freunden würde sich eine Tafel auch in Osterode aufbauen lassen, wohl wissend, dass wir die unbefriedigenden Verhältnisse, in den viele Menschen leben müssen, lindern, aber nicht nachhaltig würden verändern können.

 

Heute ist die Osterode Tafel gut aufgestellt, in einem Haus in gepflegter Umgebung mit günstiger Verkehrsanbindung und eigenem Betriebshof. Unser Haus bietet nicht nur einen erfreulichen Anblick, sondern beherbergt auch ein geachtetes kleines Unternehmen mit 15 festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mit 90 ehrenam-tlichen Helferinnen und Helfern in der Region um Osterode.

 

Der Weg dahin war manchmal ein Abenteuer und erforderte ein gemeinsames Festhalten an diesem anerkannten Projekt. In dieser Festschrift wollen wir veranschaulichen, wie vielfältig die Ideen, Einsätze, Kompetenzen und Zuwendungen waren, die zum Erfolg geführt haben.

 

Es gibt starke Säulen, die zusammen die Osteroder Tafel tragen:

  • die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich gleich in erstaunlich großer Zahl überzeugen ließen,
  • die Spender kleiner und großer Geldbeträge,
  • die große Zahl von Lebensmittelmärkten und Geschäften,
  • Sachkompetenz in unterschiedlichster Ausprägung,
  • die Stadt Osterode mit ihrem Sozialamt als Partner, das uns gleich und stets mit Wohlwollen begegnete und Zuwendungen vermittelte,
  • Öffentlichkeitsarbeit in Form von vielen Vorträgen und Gesprächen und einer wohlmeinenden Presse,
  • die Unterstützung durch Ermutigung und gute Nachrede,
  • das auffallende Echo junger Menschen, die nicht nur durch die Schulen angeregt, sondern in eigener, oft phantasievoller Art sammelten, bastelten und backten.

Heute gehört die Tafel wie selbstverständlich zum sozialen Netz unserer Region und ist ein gutes Beispiel für das gelungene Miteinander von ehrenamtlichem Engagement und öffentlicher Förderung für Menschen, die auf die Solidarität der Gesellschaft angewiesen sind.

Klaus Becker, Bürgermeister, Schirmherr der Osteroder Tafel:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leser,

man mag es kaum glauben, zählt doch Deutschland zu den reichsten Ländern der Erde und verfügt über die größte Volkswirtschaft Europas: Es gibt in unserem Land viele – zu viele – Menschen, die trotz dieser Fakten nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt aus eigenen Einkünften zu bestreiten, ja nicht einmal die tägliche Ernährung für sich und ihre Kinder selbstständig sicherzustellen. Das ist kein gutes Zeugnis für unsere Gesellschaft. Ich bin sehr froh, dass es mit den Tafeln – und nunmehr seit zehn Jahren auch durch die Tafel in Osterode am Harz – einen Verein und die dahinter stehenden Freiwilligen gibt, die sich dieser Menschen annehmen. Freiwillige, die wie ich selbst nicht akzeptieren wollen, dass wir in einer Überflussgesellschaft leben, in der jährlich Millionen Tonnen an Lebensmitteln „entsorgt“, also schlicht weggeworfen werden, viele unserer Mitbürger aber keine regelmäßige Mahlzeit bezahlen können.

 

Die Osteroder Tafel nimmt in unserer Stadt und den benachbarten Ausgabestellen eine wichtige Ausgleichsfunktion vor, indem sie einen Teil des Überflusses abschöpft und denen zukommen lässt, die der Hilfe bedürfen. Dafür bin ich den vielen ehrenamtlichen Helfern, aber auch den Unterstützern, die durch ihre Mitgliedschaft, ihr Sponsoring und ihre Spenden die Hilfe erst ermöglichen, sehr dankbar. Sie alle beweisen durch ihr Engagement den großen Gemeinsinn in Osterode am Harz, der auch bei anderen Gelegenheiten immer wieder zu erkennen ist. Dabei erstreckt sich die Hilfe ja nicht nur auf das Verteilen von Lebensmitteln, sondern auch auf einen Mittagstisch. Dadurch wird nicht nur ein warmes Essen ermöglicht, sondern auch die so wichtigen sozialen Kontakte, die sonst vor allem älteren, armen Menschen leider oft fehlen.

 

Für diese Arbeit sage ich von ganzem Herzen Danke und hoffe, dass der Verein auch in Zukunft seine so wichtigen Aufgaben erfüllen kann. Seien Sie versichert, dass ich das mir Mögliche dazu beitragen werde.

Klaus Liebing, stellv. Landrat:

Reichtum und Überfluss auf der einen Seite, zunehmende Armut und Hilfebedürftigkeit auf der anderen Seite – die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer. Viele unter uns können sich nicht vorstellen, dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die kaum genügend Geld zur Verfügung haben, um sich Lebensmittel zu leisten, obwohl es Lebensmittel im Überfluss gibt. Da ist es gut, dass es sich die Osteroder Tafel zur Aufgabe gemacht hat, in dieses Spannungsfeld einzugreifen und einen Ausgleich zu schaffen.

 

Lebensmittel, die zum Beispiel von Supermärkten und Bäckereien täglich der Vernichtung zugeführt würden, weil sie nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum sind, die Verpackung beschädigt ist oder weil sie kleine optische Mängel aufweisen, werden von den ehrenamtlichen Heferinnen und Helfern der Osteroder Tafel abgeholt, kontrolliert und danach ausgegeben oder ausgeliefert.

 

An dieser Stelle gilt es gleich zweimal ein herzliches Dankeschön auszusprechen.

 

Zum einen den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer; sie verdienen unseren Respekt und unsere Anerkennung. Die Osteroder Tafel kann nur so erfolgreich arbeiten, weil sie sich immer wieder mit hoher Motivation und Engagement in das Projekt einbringen. Mit ihrem Einsatz geben sie nicht nur Lebensmittel aus, sie schenken den bedürftigen Menschen auch aufmunternde Blicke, wohltuende Worte und nette Gesten.

 

Zum anderen richtet sich mein herzliches Dankeschön an die Spender und Sponsoren aus dem privaten Bereich und der Wirtschaft, die die Lebensmittel zur Verfügung stellen oder die Arbeit der Osteroder Tafel mit finanziellen Mitteln unterstützen. Sie sind ebenso wichtig für die erfolgreiche Arbeit der Osteroder Tafel, wie die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

 

So ist über die Jahre ein soziales Netzwerk entstanden, welches von der Hilfe untereinander und der Sorge füreinander lebt.

 

Ich wünsche dem Verein Osteroder Tafel e.V. mit seinem engagierten Team weiterhin viel Erfolg, Kraft und Ausdauer bei seiner wichtigen Arbeit für das Gemeinwohl. In der Hoffnung, dass der Beitrag der Bevölkerung nicht nachlässt, sie weiterhin Sponsoren finden, die sie bei ihren intensiven Bemühungen unterstützen und viele helfende Hände sich engagieren.

Superintendent Volkmar Keil:

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

zum zehnjährigen Jubiläum möchte ich der Osteroder Tafel ganz herzlich gratulieren. Ich bin sehr dankbar, dass es die Osteroder Tafel gibt. Sie ist eine große Hilfe für viele Menschen, ihren Lebensunterhalt zu sichern.

 

Es gibt Armut in unserem Land. Das dürfen wir nicht kleinreden und darüber dürfen wir nicht hinwegschauen. Die Schere zwischen Arm und Reich ist gewaltig. Und in einem reichen Land arm zu sein, ist deshalb so bitter, weil damit immer gleich Ausgrenzung verbunden ist. Mit diesem Tatbestand ist eine gesellschaftliche Aufgabe verbunden. Die Politik ist nach wie vor gefragt, hier tätig zu werden. Für schwierig halte ich die Beteiligung der Kommunen an den Sozialleistungen. Damit werden Kommunen mit einem großen Anteil von Armut auch arme Kommunen. Und damit fehlt ihnen dann das Geld, durch strukturelle Maßnahmen der Armut entgegenzuwirken.

 

Die Tafelbewegung schaut auf die betroffenen Menschen und sucht für sie konkrete Hilfe. Dabei ging es von Anfang an nicht nur um Verteilung von Lebensmitteln, sondern auch um Begegnung und Gespräch. Der Mittagstisch ist dazu eine wichtige Einrichtung.

 

Ich bin überwältigt von der großen Bereitschaft ehrenamtlichen Engagements, das die Osteroder Tafel auszeichnet. Ich bin sehr dankbar für eine Vielzahl von Spenden, die die Tafel immer wieder erhält. Und ich finde es mehr als anerkennenswert, dass so viele Geschäfte und Märkte sich daran beteiligen, die Tafel mit den notwendigen Lebensmitteln zu versorgen. Die große Zahl der Nutzer macht deutlich, wie notwendig die Tafelbewegung ist.

 

Wir als Kirchenkreis Harzer Land freuen uns sehr, dass auch wir einen Anteil daran leisten können. Die meisten Außenstellen befinden sich in kirchlichen Räumlichkeiten. Und hier stellt die Kirche auch einen nicht unbedeutenden Anteil der ehrenamtlichen Helfer.

 

Ich danke der Osteroder Tafel ganz herzlich für ihre notwendige Tätigkeit und wünsche ihr von Herzen, dass sie weiterhin ihre segensreiche Arbeit für die Menschen, die diese Unterstützung dringend brauchen, fortsetzen kann.